Unsere

Geschichte

Musikverein Konstanz-Wollmatingen

Die Gründung

Mit Fleiß, Ausdauer, kreativem und sicher auch kritischem Denken wuchs man mit viel Interesse und Begeisterung in das Gewollte hinein, und freute sich zu guter Letzt zu Recht am Erfolg. So hatte nun die knapp 700 Einwohner zählende Gemeinde Wollmatingen bereits im Jahre 1826 ihre Musikkapelle, und damit eine erfreuliche Bereicherung.

So ruhig und vor allem unbürokratisch wie die Gründung, so zwanglos verlief die nachfolgende Aufbauzeit. Es wurde geübt, geprobt, um die Geschehnisse im Dorf zu umrahmen. Kirchenfeste, wie Fronleichnam oder der Weiße Sonntag, wurden mit gestaltet. In den Wirtshäusern spielten sie, so gut es eben mit den bekannten zwei Rhythmen, Marsch und Walzer, ging, zum Tanz auf.
Die Blechmusik war kein eingetragener Verein mit fortlaufenden Rechenschaftsberichten. Nur drei Personen zählten zur Vereinsobrigkeit, der Vorstand, der Dirigent und der Kassier.

Jedem recht getan war schon damals eine Kunst, die niemand kann. Gerechtigkeit ist keine Mathematik. Was im Einzelfall gerecht oder ungerecht ist, darüber gibt es immer verschiedene Ansichten. Aufgrund solcher Ansichten, Meinungen, Vereinsunebenheiten, lautstarken Äußerungen und vielleicht auch Beleidigungen wurde 1895 eine zweite Kapelle gegründet. Musikverein Harmonie nannte sie sich.

Nach der Jahrhundertwende

So traten die Wollmatinger 1912 erstmals beim Verbandsmusikfest in Arlen Rielasingen auf. Von 22 Kapellen erreichten die Musiker unter strenger Stabführung von Alfred Greis den fünften Platz bzw. den fünften Preis.

Alfred Greis war es auch, der sich zusammen mit dem Vorstand, Bürgermeister Kenner, tatkräftig der Jugend annahm und für Nachwuchs sorgte, der laufend in die Kapelle integriert wurde. Zöglinge wurden sie genannt.

Trotz des laufenden Aufbaus glichen sich die Finanzen immer mehr aus, denn im Jahre 1906 gab es erstmals passive Mitglieder. 53 Passive und 15 Aktive zählte nun der Verein. 50 Pfennige war der Jahresbeitrag. Musikvereine, besonders durch Anschaffungen von Instrumenten, hatten schon immer eine angespannte Finanzlage.

Nach dem 1. Weltkrieg

Aufbruch, Gemeinschaft und schwierige Zeiten

Mit Spenden, Mitgliedsbeiträgen und Veranstaltungen gelang es dem Verein, sich finanziell wieder zu stabilisieren. 1920 wurde erstmals das Wollmatinger Waldfest veranstaltet – ein großer Erfolg für den Verein. Im selben Jahr setzte sich die Erkenntnis durch, dass gemeinsames Handeln mehr bewirken konnte: Aus dem bisherigen Neben- und Gegeneinander entstand ein gemeinsamer Verein.

Das Vereinsleben war in den folgenden Jahren vielfältig. Ausflüge, Gartenfeste und Theateraufführungen gehörten ebenso dazu wie gemeinsame Veranstaltungen mit anderen Vereinen. Die Wollmatinger Musiker waren bei ihren Fahrten rund um den Bodensee und weit darüber hinaus unterwegs. Auch bei Hochzeiten, Geburtstagen und anderen besonderen Anlässen sorgten sie mit ihren Ständchen für musikalische Momente.

Neben der Musik spielte auch das soziale Engagement eine Rolle. 1931 führten die Musiker das Theaterstück „Das Vaterunser“ zugunsten bedürftiger Menschen auf. Der Erlös von 112 Mark wurde der Notgemeinschaft übergeben.

Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs veränderte sich auch das Vereinsleben. Immer mehr aktive Musiker fehlten, Veranstaltungen wurden seltener und die Kapelle beteiligte sich unter anderem an Altmaterialsammlungen. Am 7. März 1942 findet sich der letzte Eintrag im Protokollbuch – ein Einschnitt in der Geschichte des Vereins, bevor die Kriegsjahre das Vereinsleben weitgehend zum Erliegen brachten.

Nach dem 2. Weltkrieg

Der Vorkriegsschriftführer schreibt anlässlich der Generalversammlung im Juli 1948, dass in einer großen Notzeit und während unterdückter Freiheit sich einige Musiker zusammen gefunden hätten, um eine Musikkapelle neu aufzubauen. Nachdem das Gouvernement Militaire in Konstanz die Genehmigung erteilte, die Vereinstätigkeit wieder auf zunehmen, wurde der Musikverein wieder neu gegründet bzw. wieder neu aufgebaut.
Schon am 3. Oktober 1948 war der Dirigent Karl Westfeld mit den Wollmatinger Aktiven beim Herbstkonzert im Lindensaal an die Öffentlichkeit getreten. Mit tosendem Beifall quittierten die Anwesenden den ersten öffentlichen Auftritt.

Das Vereinsleben hatte sich wieder auf die Traditionen der Vorkriegszeit mit Auftritten, Theatervorführungen, Weihnachtsfeiern, Ausflügen und den üblichen geselligen Anlässen zur Freude aller eingependelt.

Das 125jährige Jubiläum

Das 125-jährige Jubiläum verbunden mit dem Bezirksmusikfest. Gottfried Mog war für die Herstellung der Uniformen verantwortlich. Die verspätete Stofflieferung machte ihm Sorgen. Dem großen Musikfest ging dann am 24. Juni 1951 die Einkleidungsfeier voraus, bevor das Fest vom 7. bis 9. Juli 1951 stattfinden konnte.

Viele fleißige Hände verrichteten zum Teil harte Arbeit. Eine Woche zuvor musste das 880 Quadratmeter große Festzelt aufgestellt werden. Eine wahre Demonstration der Blasmusik lief wie vom Band ab.

Die Patenkapelle, der Musikverein Emmishofen, wurde am Emmishofer Zoll mit klingendem Spiel empfangen. Beim Marsch durch den Fürstenberg ertönten Böllerschüsse vom Hafnerberg. Die evangelische Kirche läutete mit allen Glocken. Der Abend im Festzelt sei ein erhebendes Ereignis gewesen. Was Rang und Namen hatte, war vertreten, Oberbürgermeister Knapp, die Bürgermeister Diesbach und Schneider, Vertreter der Besatzungsmacht und viele Herren Stadträte.

Am Sonntag wurden die Wollmatinger mit Böllerschüssen geweckt. Am Morgen ging es zum Festgottesdienst. Mit Gefallenenehrung. Am Nachmittag fand der große Festumzug statt. Girlanden waren über die Straße gespannt Fähnchen mit den Landes und Bundesfarben, so wie der Schweiz. 28 Festdamen mit einheitlichen langen Kleidern. Der Festzug wurde von der Stadtmusik Kreuzlingen angeführt. Viele benachbarte Musikvereine, der Sängerverein Wollmatingen, Sportverein, Kraftsportverein, die Naturfreunde und mehrere kleinere Gruppen folgten.

Am Montag war Familien- und Kindernachmittag. 1000 Würste mit Brot wurden ausgegeben. Erst gegen 24 Uhr sei das Fest zu Ende gewesen.

Zu erwähnen ist noch, dass Anfangs des selben Jahres die Eintragung in das amtliche Vereinsregister beschlossen wurde.

Ende der 60er- und die 70er-Jahre

Die Wollmatinger Musiker waren bei zahlreichen Auftritten zu hören: das Waldfest, Narrenkonzerte der Giraffen, Kirchenkonzert, Jahreskonzerte, Hafenkonzerte, Sommerfeste, Platzkonzerte, Ständchen und vieles mehr.

Mit Horst Zander als neuem Dirigenten ab 1966 war erstmals auch das Moderne zu spüren. Ob man dies wohl braucht, war die Frage einiger älterer Musiker, die an den aktuellem Entwicklungen und Neuerscheinungen keinen Gefallen fanden. Glücklich waren jüngere Musiker in der Kapelle. Sie schätzen besonders die Rhythmik und die Dynamik, einfach das Neue.

Um das Erarbeitete, das angestrebte Niveau auszubauen und zu erhalten, benötigte die Kapelle dringend Nachwuchs. Zusammen mit Schriftführer, Oberlehrer Müller, der in der Schule Jugendliche für Musik begeisterte, gelang es, 25 Neue zu gewinnen.

Schritt für Schritt ging es weiter in Richtung moderne Blasmusik. Beim Frühjahreskonzert am 7. Juni 1975 im Lindensaal spielte die Kapelle erstmals mit einem Saxophonsatz auf.

Im Januar 1976 erfuhren die Musiker, dass 15 Mann aus der Kapelle sich zu einer Unterhaltungskapelle unter der Leitung des Vizedirigenten Michael Riese formierten. „Wollmatinger Musikanten“ nannten sie sich. Und ein lang ersehnter Wunsch ging in Erfüllung, die Kapelle konnte ihre neuen Proberäume im Wollmatinger Rathaus beziehen.

1974 wurde wieder einmal ein neuer Anlauf gestartet. Mit 13 Jugendlichen wurde die Ausbildung angefangen. Michael Riese, Klaus Romer, Christian Müller, Rudolf Riedle stellten sich unter Leitung von Dirigent Kurt Lohr zu Verfügung. Endziel dieser Jugendausbildung war die Gründung bzw. Bildung einer Jugendkapelle. Am 16.10.1976 stellte sich die Jugendabteilung beim Herbstkonzert erstmals öffentlich vor. Im Jahre 1979 nahm Dirigent Bernd Egi die Jugendarbeit unter seine Fittiche.

Neue Wege in die Zukunft & 175-jähriges Jubiläum

Die 1980er- und 1990er-Jahre waren für den Musikverein Konstanz-Wollmatingen von musikalischer Weiterentwicklung und neuen Ideen geprägt. Unter Dirigent Bernd Egi wurde das Repertoire zunehmend moderner, ohne die traditionelle Blasmusik aus den Augen zu verlieren. Auch die Jugendarbeit gewann weiter an Bedeutung und sicherte den Nachwuchs für die Kapelle.

Auch organisatorisch blieb der Verein in Bewegung. Rolf Weber, der 1989 den Vorsitz übernahm, führte den Verein bis 2005 und prägte damit insbesondere die Jahre rund um die Jahrtausendwende.

Ein besonderer Höhepunkt war 1994 das Musical „Starlight Express“, das gemeinsam mit dem Rollschuhverein auf die Bühne gebracht wurde. Die aufwendige Produktion begeisterte das Publikum und war mehrfach ausverkauft.

So verband der Verein in diesen Jahren Tradition, moderne Musik und engagierte Nachwuchsarbeit und entwickelte sich zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens in Wollmatingen.

175 Jahre Musikverein Konstanz-Wollmatingen

Im Jahr 2001 feierte der Musikverein Konstanz-Wollmatingen sein 175-jähriges Bestehen. Das Jubiläum wurde mit einem umfangreichen Festprogramm im Juni gebührend gefeiert.

Im großen Festzelt sorgten unter anderem die SWR3 Dance Night, die Alpenrebellen und Hansi Hinterseer für musikalische Unterhaltung. Ein weiterer Höhepunkt war das 3. Internationale Jugendkapellentreffen, bei dem junge Musikerinnen und Musiker aus verschiedenen Regionen zusammenkamen.

Am 16. Juni stand die eigene Jugendkapelle im Mittelpunkt: Beim Galakonzert der Jugendkapelle präsentierte der Nachwuchs sein musikalisches Können und setzte damit ein besonderes Zeichen für die erfolgreiche Jugendarbeit des Vereins.

Das 175-jährige Jubiläum wurde so zu einem Fest für den gesamten Verein und die Bevölkerung – mit Musik, Begegnungen und einem abwechslungsreichen Programm, das Tradition und moderne Unterhaltung miteinander verband.

2001 bis heute – Musik, Nachwuchs und Gemeinschaft

Die vergangenen 25 Jahre waren für den Musikverein Konstanz-Wollmatingen von musikalischer Vielfalt, neuen Konzertideen und engagierter Jugendarbeit geprägt. Dabei blieb der Verein seinen traditionellen Wurzeln verbunden und öffnete sich gleichzeitig immer wieder neuen musikalischen Stilrichtungen.

Besondere Höhepunkte waren die großen Konzertprojekte „Der Watzmann“ (2003) und „ABBA – Die Konzertschau“ (2016). Mit aufwendigen Programmen und modernen Arrangements zeigte der Musikverein, wie vielseitig Blasmusik sein kann.

Ein wichtiger Bestandteil des Vereinslebens ist bis heute die Jugendkapelle. Die Nachwuchsarbeit wurde kontinuierlich weiterentwickelt. Eigene Konzerte, Jugendveranstaltungen und gemeinsame Auftritte mit der Stammkapelle bieten jungen Musikerinnen und Musikern die Möglichkeit, ihr Können zu zeigen und Bühnenerfahrung zu sammeln. Ein besonderes Erlebnis war die Konzertreise der Jugendkapelle nach Elba im Jahr 2024.

Auch die Stammkapelle ist regelmäßig über die Grenzen Wollmatingens hinaus unterwegs. Bei der Konzertreise nach Enschede im Jahr 2025 standen gemeinsames Musizieren, Begegnungen und das Vereinsleben im Mittelpunkt.

So verbindet der Musikverein Konstanz-Wollmatingen Tradition, musikalische Vielfalt und Gemeinschaft. Die vergangenen 25 Jahre zeigen dabei vor allem eines: Der Verein lebt von Menschen verschiedener Generationen, die ihre Freude an der Musik miteinander teilen und gemeinsam immer wieder neue Wege gehen.